Wo will ich eigentlich hin? – Auf der Suche nach sich selbst (1)

Unbenannt

Wir alle kennen Ihn, diesen bescheuerten Spruch: „Jetzt beginnt für dich der Ernst des Lebens“. Aber was ist eigentlich der „Ernst des Lebens“? Und wann beginnt er wirklich? Und vor allem, wie gehen wir mit ihm um?

Ich schätze, es ist Auslegungssache, aber meiner Meinung nach beginnt er dann, sobald ich mir selbst Gedanken machen muss, wohin es in meinem weiteren Leben gehen soll, ob ich studieren oder eine Ausbildung machen soll, wie ich in Zukunft mein Geld verdiene und wie und wo ich wohnen möchte. Dieser Zeitpunkt ist in der Regel dann, wenn man mit der Schule fertig ist. Vorher ist vieles automatisch geregelt. Die Schulpflicht, bzw. die Eltern, die dir sagen, dass du zur Schule zu gehen hast, das Wohnen und Leben bei den Eltern. Menschen, die früher die Schule beenden und frühzeitig von den Eltern wegziehen, müssen auch früher auf eigenen Beinen stehen und damit eigene, weitreichende Entscheidungen treffen.

Die größte aller Fragen lautet jedoch: Wie und woher soll ich eigentlich wissen, was und wohin ich will? Woher weiß ich, wie mein Leben in 10 Jahren aussehen soll? Wie kann ich wissen, was mir wirklich liegt, ob meine jetzigen Interessen auch in der Zukunft noch bestehen und was überhaupt mich wirklich erfüllt?

Fies ist, dass wir in einer Gesellschaft leben, die von uns erwartet, möglichst früh bereits eine vollständige Lebensplanung zu haben, zu wissen, was wir vom Leben erwarten und zu wissen wer wir wirklich sind. Aber wie soll das ein junger Mensch wissen, der sein Dasein die meiste Zeit seines bisherigen Lebens innerhalb der tristen Schulwände mit linearer Algebra und dem Analysieren von uralten Gedichten gefristet hat?

Als ich damals kurz vorm Abi stand, hatte ich noch nicht viel vom Leben gesehn und nicht den blassesten Schimmer, was ich eigentlich machen will. Ich war damals fast 20. Mein Glück. Ich war erst mit 7 eingeschult worden und hatte noch 13 Jahre bis zum Abitur. Aber selbst da war ich eigentlich noch zu jung, um mich festlegen zu können. Heute sind die meisten mit Matura noch nicht einmal volljährig. Wie soll ich in diesem Alter mit diesem Kontext und den Erwartungen um mich herum auf mein Leben klar kommen? Ich muss auf einen Schlag damit klar kommen, dass ich a) kein Kind mehr bin, b) nicht mehr zur Schule gehe, c) mich von meinen Eltern abkapseln und eigenständig leben muss und c) entscheiden muss, wie ich all das möglichst sinnvoll mit einer zu mir passenden Ausbildung umsetzen und begreifen soll.

Eigentlich gibt es doch nur eine wirklich zielführende Lösung: Ausprobieren. Aber das sollen wir ja nicht. Wir sollen uns entscheiden, festlegen und dabei bleiben. Wir sollen uns etwas Sicheres suchen. Wenn wir von A nach B und von B nach C und evtl. wieder zu A tingeln, dann gelten wir als ziellos, als unbeständig, als hätten wir unser Leben nicht im Griff. Dabei wollen wir doch nur in der Praxis und eben nicht in der Theorie herausfinden, wer wir eigentlich sind. Wir wollen Erfahrungen machen und aus diesen lernen. Über uns selbst, über andere Menschen und über das Leben und seine unendlichen Möglichkeiten.

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Und all diese Probleme sind selbst dann nicht zwangsläufig geklärt, wenn ich mich für eine Ausbildung und vll. auch schon für einen Beruf entschieden habe.

Heute hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit einer Kundin, der ich diesen Beitrag hier nun auch widme. Sie hat mir etwas erzählt, womit ich mich selbst tatsächlich schon länger beschäftige und was derzeit auch viele Freunde von mir betrifft. Ihr Freund stecke gerade in einer Art Krise, weil er mit seinem Leben nicht zufrieden ist, bzw. gerade feststellt, dass er so wie bislang nicht weiter machen will. Dass er bislang nicht herausfinden konnte, was eigentlich so sein Ding ist, was ihn erfüllt und was er in Zukunft eigentlich dauerhaft machen möchte und wie er eigentlich leben will. Er fühle sich unter Druck gesetzt, ein bodenständiges und geplantes Leben zu führen, was aber in seine Einstellungen und seine Weltsicht nicht passt. Er sei von Freunden umgeben, die alle fest im Beruf und mittlerweile in der Familienplanung sind. Und er fühle sich gänzlich unverstanden mit seinen Gedanken, weil alle um ihn herum meinen, er müsse doch langsam mal seinen Weg gefunden haben.

Ja, manche Menschen haben damit keine Probleme. Oder zumindest scheint es so. Ich habe das Gefühl diesen Menschen kommt die Erkenntnis gerade so zugeflogen. Sie wissen genau, was sie machen wollen. Oder aber sie hinterfragen es nicht. Sie machen es so, wie es von ihnen erwartet wird. Starten eine Ausbildung oder ein Studium, arbeiten danach in dem entsprechenden Beruf. Lernen einen Partner kennen, ziehen zusammen, heiraten, kriegen Kinder. Bauen ein Haus, kaufen sich einen Mercedes und einen Hund. Andere aber wollen diesen straighten Weg vielleicht nicht gehen, wollen sich nicht in ein vorgegebenes Muster quetschen.

weiterlesen: Wo will ich eigentlich hin? – Auf der Suche nach sich selbst (2)

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