Fremde Menschen

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Fremde Menschen sind spannend und langweilig zugleich. Spannend, weil sie eine Art Wundertüte sind. Sie kennenzulernen kann neue Erfahrungen, neue Sichtweisen und neue Gedanken mit sich bringen. Langweilig, weil uns im ersten Moment nichts mit ihnen verbindet. Sie gehören nicht zu uns, zu unserem Leben, zu unserer Vergangenheit. Sie sind uns schlichtweg nicht so vertraut, wie Menschen, die wir schon länger kennen.

Ob wir fremde Menschen nun als uninteressant oder spannend empfinden liegt zu einem großen Teil an uns selbst und wie wir gerade drauf sind. Bei guten Bekannten wissen wir, woran wir sind, wir kennen sie gut, wissen inwieweit wir ihnen vertrauen können und wir haben mit ihnen teilweise einen gemeinsamen Lebensweg. Ein fremder Mensch kann für uns eine Bereicherung darstellen, wenn wir uns auf diesen Menschen und seine Welt einlassen. Wenn wir uns für ihn und das was er erzählt interessieren und wir uns selbst in das Erzählte hinein denken. Selbst wenn wir nur wenige Gemeinsamkeiten entdecken, kann es spannend sein, wenn wir die Geschichten des anderen als Erweiterung unseres eigenen Horizonts betrachten.

Wer kennt diesen Gedanken nicht: „Was soll ich denn mit dieser Person? Ich kenne sie doch gar nicht“? Ja, noch nicht. Das kann sich aber ändern. Und vielleicht steht da ein potenzieller guter Freund oder eine potenzielle gute Freundin. Und selbst wenn nicht. Was ist verloren?

Ich liebe es beispielsweise, mit einem Freund oder einer Freundin draußen in einem Cafe zu sitzen und über vorbeigehende Menschen zu spekulieren. Wo kommt die Person her, wo geht sie hin, warum ist sie hier, was macht sie beruflich, was denkt sie gerade? Auch wenn alles nur Spekulationen sind, kann es zu dem Gefühl führen, die vorbeigehende Person irgendwie zu kennen. Sie ist nicht mehr einer von vielen, der in der Masse untergeht.

In meinem aktuellen Job begegne ich fast jeden Tag fremden Menschen. Meine Arbeit sieht es vor, mich auch mit meinen Kunden zu unterhalten. Ich fange an, die üblichen Fragen zu stellen á la „Wo arbeitest du?“, „Wohnst du hier in der Stadt?“ etc. Dann stelle ich fest, in welche Richtung sie gerne weiter erzählen und in welche nicht. So entstehen meistens spannende Gespräche. Fast jeden Tag komme ich mit vielen neu gehörten Geschichten nach hause. Manche Geschichten bleiben bei mir noch lange haften.

Ich gebe zu, ich bin nicht jeden Tag in dem state, mich auf all diese fremden Personen einzulassen. An manchen Tagen interessiert es mich schlichtweg nicht, was sie erzählen. Das ist nie böse gemeint, aber manchmal ist es einfach zu viel. Manchmal schleppt man eigene Probleme herum und die Geschichten anderer können entweder eine gute Ablenkung darstellen oder einfach nur zusätzlich stressen.

Sich auf fremde Menschen einzulassen mündet aber in eine Folge von unschätzbarem Wert: Mit der Zeit sind fremde Menschen nicht mehr fremd. Irgendwann sind sie uns vertraut, sind sie Teil unseres Lebens und Teil unserer Vergangenheit sowie Zukunft.

In meinem neuen Job bin ich erst seit drei Monaten, aber mit einer Kundin bin ich bereits auf dem besten Wege zu einer wirklich guten Freundschaft.

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