Warum das Leben im Moment so wichtig ist

Worrying doesn’t take away tomorrow’s troubles but it takes away today’s peace.

Gestern hatte ich eine interessante Unterhaltung mit einem Freund. Er sagte, im Grunde ist das Einfachste im Leben, sich Probleme zu machen. Selbst wenn objektiv betrachtet gar kein Problem vorhanden ist, dann wird irgendetwas Nichtiges zum Problem gemacht. Wenn tatsächlich ein Problem vorliegt, dann wird so lange daran geknabbert, bis das nächste Problem kommt. Wortwörtlich sagte er unter anderem: „Ich dachte, wenn ich Single bin, dann ist das Gute daran, dass ich keine Beziehungsprobleme habe, aber jetzt habe ich trotzdem Beziehungsprobleme, in dem Sinne, dass ich keine Beziehung habe und das Streben danach wieder nur tausend Probleme mit sich bringt.“

Tatsächlich würde ich wohl lügen, wenn ich behaupte, es ist leicht, Sorgen einfach bei Seite zu schieben. Wenn das Gedankenkarussell erst einmal in Fahrt gekommen ist, dann ist es schwierig, dieses wieder anzuhalten.

Manchmal ist eine Auszeit die beste momentane Lösung. Sei es ein Urlaub, ein Wochenende, ein Tag oder nur ein kleiner Ausflug. Vor zwei Wochen war ich ein ganzes Wochenende mit 20 Leuten in einem von uns gemieteten Haus an einem kleinen, eher abgelegenen Ort. Der Plan: Party und chillen ohne Ende. Als ich los fuhr, um zwei Freunde abzuholen, war ich gar nicht in Partystimmung. Ich hatte mich die Tage über mit einigen beruflichen Problemen rumgeschlagen und war relativ müde und lustlos. Als ich dann noch im schlimmsten Stau ever stand, hatte ich bereits die Schnauze voll.

Die Fahrt mit den beiden Anderen war jedoch total lustig und entspannt. Das Wetter war perfekt. Plötzlich freute ich mich, mal raus zu kommen. Ich freute mich, jetzt einfach mal alles auf mich zukommen zu lassen. Ich hatte keine Ahnung, was das Wochenende so bringt, was für Leute dort sein werden, wie die Stimmung wird. Und genau das war gut so. Ich beschloss, dieses Wochenende einfach mal zu leben.

An diesem Wochenende lebte ich einzig für den Moment. Alle Probleme waren daheim geblieben. Ich lernte neue Leute kennen, fühlte mich rundum sorgenfrei und wäre Party machen nicht so furchtbar anstrengend, hätte ich es dort locker noch mindestens eine Woche lang ausgehalten. Ich lag in der Sonne auf der Wiese im Garten und dachte: „Jetzt die Zeit anhalten!“.

Dieses Gefühl kannte ich von früher, als ich regelmäßig mit meinem Freundeskreis für eine Woche nach Holland gefahren bin: Im Garten auf der Wiese liegen und sich wünschen die Zeit anhalten zu können.

Wie oft haben wir solche Momente?

Wie oft haben wir Momente, in denen wir denken „JETZT ist DER Moment“? Viel zu selten, wie ich finde. Sind wir im Alltagstrott gefangen, stecken wir in einer Struktur fest, die es nahezu unmöglich macht, aus ihr auszubrechen und inne zu halten. Die Tage sind durchgeplant: Aufstehen, frühstücken, arbeiten, einkaufen, kochen, schlafen.  Und erleben wir dazwischen richtig tolle Momente, sind wir oft viel zu beladen mit anderen Gedanken, um überhaupt nur zu realisieren, dass wir gerade einen tollen Moment haben.

Oft fällt es erst hinterher auf, in der Erinnerung: Ooooh das war so toll! Am liebsten würde ich zurückgehen und es nochmal viel bewusster erleben.

Andererseits: Zu starkes Bewusstmachen eines Moments, kann den Moment auch kaputt machen, weil ich, anstatt ihn zu genießen, darüber nachdenke, wie ich den Moment am besten festhalten kann.

Und: Zu viel YOLO kann sich auch negativ auf die Zukunft auswirken. Wenn ich überhaupt nicht darüber nachdenke, was ich tue, weil ja nur der Moment zählt, dann kann ich mir aber für den nächsten Moment damit ernsthafte Schwierigkeiten erschaffen.

Wie ist das eigentlich mit YOLO? Wie wird das interpretiert? Einfach alles machen mit einer „scheiß egal“ Haltung und damit immer wieder riskieren, dass man einen großen, folgeschweren Fehler macht? Oder bedeutet es, einfach mal seine Komfortzone zu verlassen, sich auch mal etwas zu trauen, was man sonst vielleicht nicht tun würde. Im Sinne von: One day, baby, we’ll be old and think of all the storys that we could have told.

Ich interpretiere YOLO lieber im letzteren Sinne: Das Leben leben, aber dennoch bedacht agieren und nichts tun, von dem ich ganz genau weiß, dass ich es morgen schrecklich bereuen werde. Habe ich bereits Probleme, muss ich mir ja nicht unbedingt an meinem problemfreien Tag noch weitere anhäufen.

Ob das immer so klappt? Mit Sicherheit nicht! Aber wenn ich das Gefühl habe, ich brauche eine Auszeit, dann sollte ich sie mir nehmen. Sei es ein Urlaub, ein Wochenende, ein Tag oder nur ein kleiner Ausflug. Die Probleme einfach mal Probleme sein lassen. Die sind morgen auch noch da, keine Sorge!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Küchenpsychologie abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s