Die Augen als Tor zur Seele

„Die Augen sind das Tor zur Seele“, so lautet eine Redensart. Das klingt im ersten Moment ziemlich pathetisch und nach esoterischem Bullshit. Aber: An allem was man sagt, an allem was man sagt, ist auch was dran.

Diese Redensart rührt daher, dass unsere Augen tatsächlich unsere Emotionen widerspiegeln. An den Pupillen lässt sich beispielsweise Angst, Freude oder Überraschung erkennen. Die Iris kann die Pupillen mit Hilfe von zwei Muskeln enger oder weiter stellen. Diese Steuerung passiert durch das vegetative Nervensystem und damit unbewusst. Somit werden die Pupillen in einer Situation, die erhöhte Aufmerksamkeit verlangt, erweitert. Auf diese Weise gelangt mehr Licht ins Auge, sodass mehr von der Umwelt wahrgenommen werden kann. Gewisse Basisemotionen können demnach selbst mit der größten Anstrengung nicht gänzlich versteckt werden.

Jede Emotion geht mit bestimmten Gesichtszügen einher. Ein echtes Lächeln lässt sich beispielsweise leicht von einem falschen lächeln unterscheiden, denn bei einem echten Lächeln erheben sich die Wangenknochen und die Augen verengen sich dadurch. Man spricht in der Psychologie von Mikroausdrücken, das sind die kleinsten unbewussten Muskelbewegungen. Zur Klassifikation dieser Mikroausdrücke gibt es das sogenannte Facial Action Coding System (FACS). Dieses Verfahren wurde von dem bekannten Psychologen Paul Ekman entwickelt. Es entschlüsselt versteckte Gefühle in Gesichtern. Ekman selbst sagt „Unser Gesicht ist das Fenster zur Seele, und seine Flügel sind immer weit geöffnet. Man muss nur hineinsehen.“

Kennt ihr die geniale Fernsehserie „Lie to me“? Sie basiert auf genau dem eben erwähnten Verfahren, dem FACS. Natürlich übertreibt die Serie und behauptet, ein einziger Mann könne jeden Mikroausdruck seines Gegenübers sofort erkennen und wisse somit immer, ob der Andere lügt oder die Wahrheit sagt. Mir ist bislang kein Mensch bekannt, der das wirklich kann, zumal die Kombination der einzelnen Mikroausdrücke nicht komplett universell ist. Es gibt interpersonelle Unterschiede, sowie Unterschiede zwischen Kulturen.

Dennoch kann das Erkennen von Emotionen anhand von Mikroausdrücken durchaus erlernt werden. Die meisten Menschen können das aber rein intuitiv schon sehr gut. Das gilt besonders für stark empathische Menschen. Das lässt sich evolutionstheoretisch ganz gut begründen. Die Einschätzung der Absichten einer anderen Person war lebensnotwendig. Treffe ich als Steinzeitmensch einen anderen, mir unbekannten, Steinzeitmenschen muss ich blitzschnell einschätzen, ob er mir eventuell gleich seine Keule über die Rübe ziehen will. Deswegen erkennen wir anhand des ersten Eindrucks sofort, ob eine andere Person vertrauenswürdig oder hinterhältig ist.

Warum wissen wir bei Menschen, die wir sehr gut kennen so oft was sie denken, noch bevor sie es aussprechen? Weil wir ihre Mimik unbewusst gelernt und uns eingeprägt haben. Das kann aber auch bei Menschen, die wir kaum kennen, gut funktionieren, wenn diese Menschen uns selbst sehr ähnlich sind.  Sie reagieren überwiegend genau so, wie wir auch reagieren würden. Sie haben den gleichen gelangweilten oder erfreuten Blick wie wir selbst und wir erkennen das, weil wir es von uns selbst kennen.

Zurück zu den Augen. Mir ist irgendwann mal im Laufe des Lebens aufgefallen, dass ich nie auf die Augenfarbe meines Gegenübers achte. Ich könnte 10 Jahre mit einem Partner zusammenleben und wüsste nicht welche Augenfarbe er hat, wenn wir das Thema nicht mal angesprochen hätten. Und das obwohl ich meinen Mitmenschen immer in erster Linie in die Augen schaue. Das fällt mir immer wieder auf, wenn Menschen über die Augenfarbe einer anderen Person reden. Z.B. „Hast du ihre Augen gesehen? Ich hab noch nie so grüne Augen gesehen!“ Und ich denke mir „Ach ok, sie hat also grüne Augen?“.

Ich habe mich immer gefragt woran das liegt, dass ich niemals auf die Augenfarbe achte und diese mir nie auffällt (es sei denn ich achte bewusst genau darauf), ganz egal wie lange ich jemandem in die Augen schaue. Und ich bin nun zu einer, für mich schlüssigen, Erklärung gekommen, die nicht stimmen muss aber doch naheliegend ist. Ich selbst bin ein hoch empathischer Mensch und ich versuche mein Gegenüber immer zu „lesen“. Ich versuche quasi in die Seele des Anderen zu schauen und dafür ist die Augenfarbe völlig unerheblich. Ich mag Oberflächlichkeit nicht und ich interessiere mich nicht sonderlich für Äußerlichkeiten, sondern möchte wissen, was dahinter steckt. Mit anderen Worten: Ich schaue nicht auf das Außen, die Augenfarbe, sondern ich schaue dahinter, denn nur das interessiert mich.

Zu dieser Erkenntnis kam ich, als eine Gruppe von Frauen anfing übertrieben für die „sooooo schöööönen blauen Augen“ des Mannes in der Gruppe zu schwärmen. Mein Gedanke in jenem Moment war „Warum hängt ihr euch so sehr daran auf, seht ihr nicht all das noch viel Tollere, was sich hinter dieser Augenfarbe verbirgt?“

Ich möchte damit nicht behaupten, dass jeder, der auf Augenfarben achtet oberflächlich ist. Ich stelle nur fest, dass ich scheinbar alles, was für meine Bewertung nicht relevant ist, komplett wegfiltere.

Sind die Augen also das Tor zur Seele? Ich würde sagen jain. Letztendlich können wir einem Menschen nur vor den Kopf schauen. Was wirklich darin vorgeht, das weiß nur die entsprechende Person selbst. Aber wir können dennoch viel mehr erkennen, als uns manchmal bewusst ist.

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