Was ist eigentlich Glück? (1)

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Wenn ich morgens aufwache, geht mein erster Griff in Richtung Handy: Uhrzeit checken, schauen, was für Messages eingegangen sind und was es sonst so Neues in der Welt gibt, wichtige Geschehnisse, die ich in den vergangenen Stunden verpennt habe. Zu langen Nachrichten verweigere ich allerdings meine Aufmerksamkeit. Zumindest so lange, bis ich wirklich richtig wach bin. Das Erste, was ich heute Morgen jedoch las, war ein längerer Text in Facebook, den eine Kommilitonin zum Thema Glück gepostet hatte. Was dort stand, fand ich so gut, dass ich sogar freiwillig noch den mindestens genau so langen, aber ebenso guten Kommentar dazu las.

Das Posting enthielt zunächst einige Fakten: Untersuchungen in den USA zu Glück und Wohlbefinden haben ergeben, dass Blinde, Rollstuhlfahrer, arme Schwarze und unverheiratete Sozialhilfeempfänger nicht unglücklicher sind, als die 100 reichsten US Bürger.

Die objektive Lebenssituation scheint demnach offenbar nicht ausschlaggebend für das subjektive Wohlbefinden zu sein.

Die Schlussfolgerung meiner Kommilitonin war: Wir sollten vielleicht unsere Vorstellung von Glück neu definieren. Wenn wir nicht glücklich sind, dann könnte das u.a. an unserer eigenen Definition dafür liegen, was es für uns bedeutet, glücklich zu sein. Meistens läge der Fokus dabei auf der Zukunft, auf Zielen, die uns noch bevorstehen, was wir noch nicht haben. Was wir aber alles bereits haben, werde gerne vernachlässigt.

Den unter dem Posting stehenden Kommentar möchte ich versuchen, stichpunktartig zusammen zu fassen:

– Hinter den vermeintlichen Zielen, den „Glücksbringern“ steckt eigentlich ein Bedürfnis, das befriedigt werden will. Nicht das Ziel selbst ist der Glücksbringer, sondern das damit verbundene Gefühl, das erreicht werden soll.

– Das Ziel sollte intrinsisch und nicht extrinsisch motiviert sein. Das heißt, wenn Oma sagt „Geld macht glücklich“ und ich deshalb reich sein möchte, ist dieses Ziel extrinsisch, von außen, motiviert. Bei einem tatsächlichen Geldgewinn ist es nun sehr wahrscheinlich, dass das Glücksgefühl nur von sehr kurzer Dauer ist, wenn überhaupt.

– Bei einem intrinsischen Ziel stehen eigene Werte, eigene Motivation und der eigene Lebenszweck im Vordergrund. Das Ziel hat somit eine höhere Bedeutung, denn es steht mit der eigenen Identität, mit dem, was mich ausmacht, im Einklang.

– Es sollte herausgefunden werden, was der eigene Lebenszweck ist, um diesen verfolgen zu können.

– Meistens sind es nur die ganz kleinen Dinge, die glücklich machen: Eine Tasse Tee, ein Sonnenuntergang, ein gemütlicher Filmeabend, oder Nachts vom Balkon aus den Vollmond fotografieren.

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Kleine nächtliche Fotosession auf dem Balkon mit spontanem Glücksmoment, als sich ein Flugzeug vor den Mond schiebt und ich das erfolgreich einfange.

Gerne hätte ich selbst etwas unter das Hauptposting geschrieben, aber das brauchte ich nicht, denn in dem von mir zusammengefassten Kommentar steht bereits alles, was ich selber auch dazu sagen würde.

 

Suche dein Glück in dir selbst und nicht in anderen!

 

Glück wird gerne und oft auf ein bestimmes Ereignis, eine bestimmte Sache oder auf einen bestimmten Menschen projiziert. Habe ich es nicht, bleibt Glück vermeintlich aus. Damit mache ich mich abhängig von meiner Umwelt, die ich aber nur bis zu einem bestimmten Grad kontrollieren kann.

Mache ich mir aber bewusst, dass dahinter immer nur ein Bedürfnis steht, das ich mit Sicherheit auch irgendwie anders befriedigen kann, ist alles nur noch halb so schlimm. Ich muss nur herausfinden welches Bedürfnis es ist und was es für Alternativen dafür gibt.

Vor einigen Jahren gab es einmal einen Tag, an dem es mir richtig schlecht ging. Ich zweifelte mich und mein ganzes Leben an. Ich war wirklich richtig unglücklich an diesem Tag, was durchaus auch zuvor passierten, unschönen Ereignissen geschuldet war. Ich wollte aber nicht so unglücklich sein und ich wollte es schaffen, mich an den kleinen Dingen im Leben zu erfreuen. Also erstellte ich spontan eine Liste. Ich schrieb alles auf, was ich mag, alles wobei oder womit ich ein wohliges Gefühl bekomme, alles wodurch es mir gut geht. Dabei kamen Dinge zusammen wie: Auf dem Balkon sitzen, der Geruch von Früchtetee, ein gutes Gespräch etc.

So eine Liste kann helfen, Alternativhandlungen zu finden, in einem Moment, in dem ich auf etwas fixiert bin, was aber nicht geht, was ich nicht haben kann. Dann lade ich mir eine gute Freundin ein, setze mich mit ihr auf den Balkon, mache uns beiden einen Früchtetee und unterhalte mich mit ihr über Gott und die Welt. Und schon geht es mir besser, denn ich habe im Grunde mein Hauptbedürfnis, das Bedürfnis nach einen Glücksgefühl, befriedigt.

Auf diese Weise hatte ich, wenn ich mal zurück blicke, die allertollsten Tage oder Abende in genau jenen Zeiten, in denen es mir eigentlich am aller schlechtesten ging. Weil ich genau in jenen Zeiten ganz besonders darum bemüht bin, mir positive Gefühle zu verschaffen, das aktiv realisiere und genau die Dinge mache, die ich am liebsten mache.

weiterlesen: Was ist eigentlich Glück? (2)

 

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3 Antworten zu Was ist eigentlich Glück? (1)

  1. lini23061995 schreibt:

    Du hast sooo Recht: „Suche dein Glück in dir selbst und nicht in anderen.“ Das bringt es absolut auf den Punkt!

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  2. Mike schreibt:

    Wieder einmal ein spannendes Thema.

    Richtig interessant wird es beim Thema „Ziele und Glück“ aber erst, wenn Du Dir einmal überlegst, warum so viele reiche und erfolgreiche Menschen unglücklich sind. Die Meldungen kommen ja ständig aus Hollywood und Co: Drogen, Alkohol, runtergekommene Persönlichkeiten.

    Die Frage die dahinter steckt, ist von elementare Bedeutung. Sie gibt Aufschluss darüber, warum Menschen die ein langjähriges Ziel erreichen auf einmal unglücklich oder schlecht gelaunt sind.

    „Was passiert eigentlich, nachdem Du Dein Ziel erreicht hast?“

    Das wirklich spannende an Zielen ist doch der Prozess — der Weg — dorthin. Du musst viele Hürden meistern, hast dadurch viele Erfolge zu feiern, Du musst Dich vernetzten, lernst neue Menschen kennen und Du musst viel nachdenken.

    In dem Moment, in dem Du Dein Ziel erreichst, ist das alles weg. Es mag zwar sein, dass Dir das erst mit etwas Abstand auffällt. Aber vieles, wenn nicht sogar alles, was vorher Deinen Tag gestaltet hat, ist auf einmal nicht mehr da.

    Hast Du schon einmal Kinder beim spielen gesehen? Sie bauen sich mit Holzklötzchen etwas auf, nur um es im Moment der Fertigstellung kaputt zu machen. Kurz darauf, beginnen sie was neues zu bauen.

    Wir dummen Erwachsenen kommentieren das meist mit: „Ach das war doch so schön, warum hast du es denn kaputt gemacht?“

    Und genau darin liegt das Unglück vergraben. In dem Moment, wo Du Dein Ziel erreicht hast und nur noch damit beschäftigt bist, es zu beschützen. Verändert sich Deine Freude in Angst.

    Angst, dass es kaputt geht.
    Angst, dass es Mal nicht mehr so sein könnte wie jetzt.

    Die Lösung?

    Machen wir es doch einfach den Kindern nach. Bauen wir uns was auf. Streben wir nach unseren Zielen. Und wenn wir sie erreicht haben, widmen wir uns dem nächsten Ziel und bauen an was anderem.

    In diesem Sinne. Beste Grüße
    Mike

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  3. psicake schreibt:

    Liebe Lini,

    das ist natürlich immer leichter gesagt als getan. Verantwortung abgeben ist immer super einfach und bequem. Aber es muss dabei auch die andere Seite betrachtet werden. Niemand möchte die Verantwortung für das Glück eines anderen Menschen tragen.

    Dabei meine ich nicht, dass jemand nicht durchaus die Ursache akuten Glücks sein kann. Wenn ich mit einer Freundin einen tollen Tag habe, dann kann ich mein Glück durchaus auf sie zurückführen. Wenn ich eine glückliche Partnerschaft habe, dann kann ich mein Glück durchaus auf meinen Partner zurückführen.

    Problematisch wird es nur, wenn sich die Kausalität ändert. Wenn ich nicht mehr Glück habe und die Ursache in einer Person sehe, sondern wenn ich eine Person habe, von der ich erwarte, dass sie mich glücklich macht. Hat meine Freundin einmal keine Zeit, oder möchte mein Partner die Beziehung nicht mehr, bedeutet das dann nämlich für mich, dass mir damit auch mein Glück genommen wird.

    Das heißt, ich sollte grundsätzlich ein lebensfroher Mensch sein, der aus vielen Dingen sein Glück schöpfen kann. Und dann können ruhig andere Menschen kommen und mein Sahnehäubchen auf dem ohnehin schon schmackhaften Kuchen sein.

    Lieber Mike,

    wie heißt es so schön: Der Weg ist das Ziel. Wenn wir das einmal auf das ganze Leben übertragen, ist da echt viel dran. Das ganze Leben ist ein Weg, und diesen Weg so positiv wie möglich zu gestalten ist das Ziel. Denn das Ende dieses Weges ist der Tod, und der ist sicherlich nicht das Ziel. Am Ende des Lebens sagen zu können, einen super Weg gehabt zu haben, jedoch schon.

    Ein höheres Ziel über einen längeren Zeitraum zu verfolgen und bei Ankunft eher ernüchtert sein, das kenne ich vom Abitur. Das war seit Beginn der 5. Klasse auf dem Gymnasium DAS EINE große Ziel schlechthin. Dahin habe ich aufgeschaut, wie zu den Sternen: Weit weit weg und im Grunde unerreichbar. Wenn ich das irgendwann haben würde, dann wäre mein Leben perfekt, dann hätte ich das Größte erreicht. Naja und eines Tages hatte ich plötzlich das Abi. Die Prüfungen waren nicht besonders schwer gewesen und ich stand dort während der Abifeier auf der Bühne, den Wisch in der Hand und dachte: „Hmmm das ist es nun also. Und nun?“ Es war so unglaublich unspektakulär.

    Das hat mich aber einiges gelehrt: a) Niemals wieder in irgend einem höheren Ziel DAS EINE große Lebensziel sehen, sprich, den Dingen keine größere Bedeutung geben, als sie verdienen. b) Mir überlegen, warum ich etwas haben oder erreichen möchte. Welches Bedürfnis dahinter steckt, und ob ich es nicht nur will, weil ich es im Moment nicht haben kann.
    Nun habe ich wieder einen Abschluss. Habe die Uni beendet, aber erleide diesmal nicht diese Ernüchterung, weil ich das Studium von vorne herein begonnen habe, mit dem Ziel, in dieser Zeit viel über Psychologie zu lernen und am Ende mit meinen Abschluss in die psychologische Praxis einzusteigen.

    Ähnlich verhält es sich oft auch bei der Jagd des anderen Geschlechtes. Der Reiz liegt dann nur darin, den Anderen zu jagen. Der Reiz beruht dann auf der Tatsache, dass die andere Person scheinbar nicht zu haben ist. Deswegen funktioniert das „den Anderen zappeln lassen“ auch so gut. Je schwieriger zu haben, desto größer der Reiz. Aber ist das hohe Ziel erreicht und die andere Person eingefangen, ist die Spannung vorbei, der Reiz verloren, die andere Person nicht mehr interessant. Es gibt viele Menschen, die jagen jemanden und lassen ihn dann fallen, wenn sie ihn haben, weil sie dann ihr Interesse verloren haben.

    Desalb gillt es auch hier, sich zu überlegen, warum ich an der anderen Person interessiert bin. Ist es vielleicht wirklich nur, weil ich haben will, was ich gerade nicht haben kann, oder geht es mir wirklich um den Menschen, liegt mir wirklich etwas an ihm und kann ich mir vorstellen nach erfolgreicher Jagd mit dieser Person einen bereicherten Alltag zu leben?

    Du hast Recht, wenn das nächste Ziel darin liegt, das zuvor erreichte Ziel zu schützen und die treibende Motivation Angst ist, dann leidet darunter die Lebensqualität. Zudem besteht dann die Gefahr der selbsterfüllenden Prophezeiung. Wenn ich zu krampfhaft an etwas festhalte, werde ich nur ohnmächtig zusehen, wie es mir entgleitet. Nichts bleibt so wie es ist, aber Veränderung kann positiv interpretiert werden: Aus Verliebtheit wird eine stabile Liebe, aus einem Abschluss wird ein solider Job mit geregeltem Einkommen, aus einem gewonnenen Wettkampf wird die Qualifikation zu einem weiteren Wettkampf.

    Nur auf den Lorbeeren ausruhen reicht nicht. Neue Ziele verfolgen ist sicher, wie du sagst, eine gute Lösung.

    Heiter weiter!

    Beste Grüße
    psicake

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