Alleine Reisen: Wunsch nach Anschluss vs. Angst vor Zurückweisung (2)

20151215_160618.jpgAm schönsten fand ich den Phra Nang Cave Strand. Hinter den Felsen befand sich ein Höhlenkomplex, den man erreichte, wenn man ein bisschen an den Felsen vorbei schwamm. Ich kletterte dort in den Höhlen herum und fühlte mich ein klein wenig wie bei LOST.

Auch befand sich an diesem Strand die sogenannte „Cock Cave“, zu Deutsch „Penis Höhle“, die ihren Namen den vielen kleinen und großen Holz- und Kunststoffpenissen, die überall herum liegen, zu verdanken hat. Tatsächlich soll damit irgendeine Fruchtbarkeitsgöttin verehrt werden. In dieser Höhle lernte ich auch eine Französin kennen, die total beeindruckt zu mir sagte, sie habe heute mehr Penisse als in ihrem gesamten Leben gesehen und das würde etwas heißen.

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Was ich aber noch viel toller fand als die Penishöhle, waren die vielen Boote, die dort am Ufer Standen und Essen und Trinken an die Strandbesucher verkauften. Man stellte sich ins Wasser, bestellte, das Essen wurde frisch auf dem Boot gekocht und man konnte es sich dann mit an den Strand nehmen. Zudem waren die Preise mal wieder unschlagbar.

An diesem Tag wurde ich so richtig knallhart mit meiner tatsächlich existenten Schüchternheit konfrontiert. Ich schwamm vor der Höhle umher und erblickte plötzlich jemanden, der auch alleine zu sein schien. Er schien in meinem Alter zu sein und wirkte irgendwie auf den ersten Blick sympathisch. So oft ich mir auch sagte: „Du schwimmst jetzt dahin und laberst den an!“, es ging nicht. Eigentlich wäre es so einfach gewesen. Der meist verwendete Satz in Thailand ist eh: „Are you traveling by yourself?“ Und dann ist man in der Regel im Gespräch.  Aber neeee, ich war Gefangener meiner selbst.

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Total enttäuscht kam ich an den Ao Nang Beach zurück. Ich kaufte mir ein Bier und setzte mich auf eine Bank an der Promenade, um den Sonnenuntergang zu verfolgen. Dummerweise hatte ich keinen Flaschenöffner. Neben mir saß zufälligerweise ein Mann, den ich spontan nach einem Öffner fragte. Aus dieser einen kleinen Frage entwickelte sich ein stundenlanges Gespräch. Klar, ich sprach ihn an, weil ich ja nur einen Flaschenöffner wollte. Ich wollte kein Gespräch, keine Freundschaft, nicht mal ein einziges Wort, es war mir scheiß egal, was er sagen oder nicht sagen würde, ob er mir überhaupt Beachtung schenken würde. Noch dazu hatte ich Vorurteile. Ich hielt ihn nämlich für einen Sextouristen. Im Nachhinein tut mir dieses Vorurteil unendlich leid, weil ich in diesem Urlaub tatsächlich keinen netteren Menschen als ihn kennen gelernt habe. Aber ich dachte in diesem Moment einfach gar nichts, außer, dass so ein Sextourist mir ja ruhig nen Flaschenöffner geben kann.

Wir fingen also an, uns zu unterhalten. Er kam aus Irland, war Saisonarbeiter und hatte deshalb ein paar Monate frei, die er für seine große Leidenschaft – das Reisen – nutzen wollte. Er war bereits durch Kambodscha und Laos gereist und verbrachte gerade seinen letzten Urlaubsabend…. auf der Bank, auf der auch ich saß und wurde zum krönenden Abschluss seiner langen Reise für einen Sextouristen gehalten (was er natürlich nicht weiß).

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Nach über einer Stunde interessanten Gesprächs, sagte er, er wolle gerne weiter reden, aber unbedingt noch duschen, ob ich Lust hätte mich um 20 Uhr am gleichen Ort mit ihm zu treffen und einen trinken zu gehen. Wuhu! So einfach kann es sein!

Wir verbrachten einen tollen Abend. Gingen erst etwas essen und versackten dann in der „Beach Bar“ mit mehreren Changs und guter Livemusik. Wir haben bis in die Nacht hinein geredet, waren total auf einer Wellenlänge, hatten total aufrichtige Gespräche. Ich erzählte ihm auch von meiner verpassten Chance an der Phra Nang Cave und meiner Angst vor Zurückweisung. Verwundert schaute er mich an und meinte, aber ihn hätte ich doch angesprochen. „Ich dachte ja auch du bist ein Sextourist!“ dachte ich, sagte es aber natürlich nicht. Er beruhigte mich und sagte, man würde das lernen und seine Angst immer mehr ablegen, wenn man viel und lange alleine reist. Er und ich sind heute noch Facebookfreunde.

Am nächsten Tag beschloss ich wieder zum Phra Nang Beach zu fahren und nach dem Typen im Wasser ausschau zu halten, um es diesmal besser zu machen. Jedoch wurde ich an einem anderen Strand rausgeschmissen mit den Worten, Phra Nang sei gerade mal einen Fünfminuten-Marsch entfernt, ich solle doch laufen. Dummerweise verlief ich mich hoffnungslos irgendwo zwischen den Stränden und verbrachte somit den Tag mit einer Wanderung durch unbekanntes Gebiet.

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Ich wusste aber, ich hätte es diesmal getan! Diesmal hätte ich ihn angesprochen! Ich war einen kleinen Schritt weiter. Ich wusste, ich bin hier bei dieser Reise auf ein Problemthema gestoßen, an welchem ich in Zukunft verstärkt arbeiten möchte.

Es sind doch im Grunde zwei Dinge, die man lernen muss, die auf eine gewisse Art zusammenhängen: 1) Angst überwinden und 2) Lernen mit Zurückweisung umgehen zu können. Wenn man beides kann, dann steht einem doch die Welt offen!

Generell entstand auf Phra Nang in mir so ein unbeschreiblicher Neid auf all die ganzen Backpacker, die dort das Leben feierten, auf Klippen kletterten, Party am  Strand machten und einfach frei zu sein schienen. Ich wollte irgendwie dazu gehören. Auch Backpacker sein, alleine umher reisen, Menschen kennenlernen, machen was immer ich machen möchte. Ich beschloss in dieser Woche, dass ich das machen würde, sobald es mir meine Lebensumstände möglich machen würden.

Bin ich ein Backpacker? Warum sollte ich das nicht sein? „You can be anything you want to be, just turn yourself into anything you think that you could ever be” (Queen – Innuendo) hatte ich noch im Flieger gehört.

Das ist mein nächstes großes Projekt, das ich angehen möchte. Ich habe gerade mein Studium hinter mir, vielleicht schaffe ich es, meine Pläne schon ganz bald umzusetzen. Nur muss das Finanzielle abgesichert sein. Vielleicht schaffe ich es noch vor meinem nächsten Job. Wenn nicht, werde ich ganz ganz viele Überstunden ansammeln!

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An dieser Stelle möchte ich allen Reiselustigen, Alleinreisenden und Backpackern eine Frage stellen: Wie handhabt ihr das? Hattet ihr Anfangs auch Angst, keinen Anschluss zu finden? Wie habt ihr diese Angst überwunden? Wie ist das mit solchen Situationen wie mit dem Mädel am Strand? Einfach fragen, ob Interesse besteht etwas gemeinsam zu unternehmen? Oder wie ergibt sich das sonst bei euch in der Regel? Hattet ihr auch schon negative Erfahrungen? Schreibts in die Kommentare!

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