Alleine feiern gehen?

20151217_152002.jpgAuf jeden Fall!

Ich hatte nie Probleme damit alleine Essen zu gehen. „Aber da gucken doch die Leute so komisch und denken ich habe keine Freunde“. Ja und? Ist mir doch egal, was irgendwelche wildfremden Leute denken, die ich eh niemals wieder sehe. Alleine feiern gehen war mir aber irgendwie eine Nummer zu groß. Alleine feiern gehen – da denkt man an sich selbst, alleine in einer Ecke stehen, während alle anderen Spaß zusammen haben. Die größten Ängste spielen sich vor dem inneren Auge ab und man würde sich eher ein Bein abhacken, als sich in so eine unagenehme Situation zu begeben.

Nun habe ich aber von Freunden immer wieder das exakte Gegenteil gehört. Die wenigen Freunde, die das wirklich mal gemacht haben, waren begeistert. „Alleine feiern gehen ist das Coolste was du überhaupt tun kannst“ ist ein Satz, den ich bislang von jedem gehört habe, der das einmal gemacht hat. Einmal saß ich mit meiner Lerngruppe zusammen und, um ja nicht lernen zu müssen, fing eine Kommilitonin an zu erzählen, sie sei das vergangene Wochenende zum ersten Mal alleine feiern gegangen. Komische Blicke aus der Runde. „Es war mitunter das Beste, was ich je erlebt habe“ führte sie fort. Wir wurden neugierig. Sie habe selbst Angst gehabt, wollte aber nicht zuhause rumhängen, und sei so einfach losgezogen. Sie habe sich in einer Bar einen Drink bestellt und sei kurze Zeit später mit fünf unbekannten Menschen zusammen auf der Tanzfläche gewesen. Sie habe in dieser Nacht so viele neue Menschen kennengelernt, wie im vergangenen Jahr zusammen nicht, habe die ganze Nacht durchgefeiert und sei sich sicher, soetwas erlebt man nicht, wenn man mit Freunden loszieht.

Während meines letzten Thailandurlaubs war ich selbst dann soweit. Ich hatte sowieso schon eine Woche alleine im Süden Thailands verbracht, hatte auf diese Weise auch schon jemanden kennengelernt, mit dem ich mich für den Abend in einer Strandbar verabredet hatte. Es war ein total lustiger Abend gewesen und ich wusste, im Grunde kann ich das.

Die letzte Urlaubswoche war ich mit zwei Freunden unterwegs. Richtig Party hatte ich den gesamten Urlaub noch nicht gemacht. Wir waren gerade auf Koh Phi Phi und ich hatte im Internet von der berühmt berüchtigten Slinky Bar gelesen, die praktischerweise gerade einmal ca. einen Kilometer von unserem Hotel entfernt lag. Ich wollte da unbedingt hin, zumindest einen Abend mal richtig die Sau rauslassen. Aber meine beiden frisch verliebten Begleiter hatten da keine Lust drauf, wollten lieben einen Chilligen machen. Mir war das Recht, denn irgendetwas in mir hatte tatsächlich gehofft, dass die beiden nicht mitkommen. Ich wollte es alleine wagen. Das sollte der Tag sein.

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Die Slinky Bar lag direkt am Strand. Trotz großzügiger Tanzfläche war die Haupttanzfläche der Strand selbst. Als ich dort bestens gelaunt ankam, war die Party schon richtig zu gange. Ich holte mir erstmal etwas zu trinken und verschaffte mir dann einen Überblick. Was für Leute waren so vertreten? Das Publikum sehr jung, offensichtlich hauptsächlich Backpacker.

Dann erblickte ich neben der Tanzfläche ein Mädel, die auch alleine zu sein schien. Ich überlegte nicht lange und sprach sie an. Genau wie ich war sie alleine dort und genau wie ich war sie auch gerade dabei sich einen Überblick zu verschaffen. Noch dazu war sie Deutsche! Es benötigte keine große Absprache, wir taten uns sofort zusammen. Es dauerte keine 10 Minuten, da wurden wir von einer Gruppe Mexikaner angesprochen. Eine Stunde später waren noch ein paar Brasilianer dazu gekommen und wir standen alle in einer riesen Gruppe mit den Füßen im Wasser und tanzten zu „Are You with me“ von Lost Frequencies und sangen alle dabei laut mit, obwohl keiner von uns den Text konnte.

Das war dieser eine Moment, in dem ich wusste, alleine feiern zu gehen, war die beste Entscheidung die ich treffen konnte.

In der Zwischenzeit hatte ich bereits fünf Nachrichten von meinen Reisebegleitern auf meinem Handy, ob ich noch lebte, ob ich schon vergewaltigt worden sei, ich solle mich doch bitte endlich mal melden und Entwarnung geben. Tatsächlich war ich so beschäftigt, dass ich völlig vergessen hatte, mal eine Nachricht raus zu senden.

Einige Stunden später waren die meisten müde geworden und gegangen, meine deutsche Bekanntschaft hatte sich von einem Typen überreden lassen, mit ihm mit zu gehen. Sie fragte mich, ob ich noch bleiben wolle, ob es okay wäre, wenn sie nun ginge. Ich sagte, sie könne ruhig gehen, ich würde noch etwas bleiben.

Als alle weg waren, überlegte ich, ob ich nun auch abhauen sollte, doch bevor ich den Gedanken überhaupt zuende gedacht hatte, stand ein Amerikaner vor mir, der mich fragte, ob ich Lust zu tanzen hätte. Ja, ich war immer noch fit, gut gelaunt und hatte Lust weiter zu tanzen. Wir tanzten weiter bis plötzlich die Musik ausging. Die Party war vorbei, aber wir waren noch nicht müde.

Also spazierten wir den Strand entlang und erzählten. Ich von meinen bisherigen Erlebnissen in den USA, er von seinen bisherigen Erlebnissen in Deutschland.

Blöd war nur, als ich merkte, dass wir meinem Hotel immer näher kamen und mir seine Intentionen klar wurden. Verübeln hätte ich es ihm nicht können, aber ich bin so nicht. Spätestens an diesem Punkt hätte ich ihm die Abfuhr erteilen müssen, doch ich fand es so toll am Strand entlang zu laufen und über Gott und die Welt zu reden, sodass ich tatsächlich wartete, bis wir vor meinem Hotel standen. Wie befürchtet stieß ich auf völliges Unverständnis. Klar, wer nimmt schon nachts nach einer Party einen Typen mit bis vors Hotel und lässt ihn dann abblitzen? Irgendwie tat es mir leid, denn er hatte was das betraf definitiv an diesem Abend die Falsche angesprochen. Aber bei mir war nichts mehr zu holen.

Nachdem ich mir mehrmals anhören musste, ich würde sein Herz brechen (ja nee iss klar!) hatte ich die Schnauze voll und jagte ihn mit einem „Now go! Just go!“davon. Da war ich dann doch froh, dass wir an meinem Hotel waren, wo ich im Notfall an der Rezeption um Hilfe hätte bitten können. Die brauchte ich aber nicht, denn es handelte sich bei ihm wirklich nur um einen sturz betrunkenen jungen Mann, dessen Weltbild in jener Nacht vermeintlich zusammen gebrochen war.

Fazit: Ich kann allen, die das bereits gemacht haben nur zustimmen: Alleine feiern gehen ist genial!  Es stärkt das Selbstbewusstsein und sorgt mit Sicherheit für eine tolle neue Erfahrung. Als Frau ist jedoch Vorsicht geboten. Wenn man jemanden kennenlernt, konvergiert die Wahrscheinlichkeit, dass er nur tanzen und reden will gegen null. Doof war ich nicht, aber egoistisch. Und letztendlich verlasse ich mich da auf mein Bauchgefühl, welches mir in dieser Situation sagte, dass von diesem Typen keine wirkliche Gefahr ausgeht. Dennoch: Im Zweifel lieber vorsichtig sein und lieber ein Nein zu viel als zu wenig aussprechen!

Eure Erfahrungen interessieren mich brennend. Wart ihr mal alleine feiern? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Würdet ihr gerne einmal alleine feiern gehen, aber traut euch nicht? Schreibts in die Kommentare!

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